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Mittwoch, 27. Juni 2012

Yes


"I asked him with my eyes to ask again yes
and then he asked me would I yes
to say yes my mountain flower
and first I put my arms around him yes
and drew him down to me so he could feel my breasts all perfume yes
and his heart was going like mad and yes
I said, yes I will..."


James Joyce (“Ulysses”)

Mittwoch, 20. Juni 2012

Du und ich!


Du und ich!
Wunschlose Seligkeit
Strömt deine Nähe über mich.
Der Alltag wird zur Sonntagszeit,
Unsterblich schlingt das Leben sich
Um uns. Und Menschengöttlichkeit
Fühl' ich bei dir durch dich.


Was einst gewesen, weiß ich kaum.
Die enge Welt wird weiter Raum.
Und Holz wird Eisen, Eisen Holz
Und Stolz wird Demut, Demut Stolz.
Gar wunderbare Weisen
Singt dann bei seinen Kreisen
Mein Blut im Paradies für mich.
Es haben alle Wünsche Ruh', -
Ich weiß nicht mehr, wer bist dann du.
Ich weiß nicht mehr, wer bin dann ich.


Max Dauthendey


Freitag, 15. Juni 2012

Poesie ist Wahrheit...


Oft, wenn wir ruhen Mund an Mund
Und meine Adern an den deinen pochen,
Nach innen lausch' ich plötzlich still;
Ich fühle, wie aus unsrer Seele Grund
Ein Wort, noch nie auf Erden ausgesprochen,
Empor sich ringen will.

O! der Natur Geheimniß ruht
Und alles Lebens in dem Wort beschlossen,
Doch matt bisher noch ists verhallt.
Höher aufflammen laß der Küsse Gluth,
Daß es zuletzt, in vollen Klang ergossen,
Von unsern Lippen wallt!

Adolf Friedrich von Schack
(1815-1894)

Montag, 4. Juni 2012

Die Liebende spricht...


O mein Geliebter, wie ein edles Wild,
Das seinen Herrn erkannt — leg ich mich leis
Zu Füßen dir — und wart auf dein Geheiß.
Denn in der Seele heiligstem Gefild

Ruht mir dein Antlitz, und — ein roter Schild —
Umrauschts mein Blut, und blühend Reis um Reis
Steigt draus empor, umgibt dich wie der Kreis
Von Lilien auf Botticellis Bild.

O Liebster, sieh, wie hoch die Blumen ragen!
Wie soll ich all die Seligkeit nur tragen?
Könnt ich doch, Liebster, etwas für dich wagen,

O, etwas tun, mein Glück mir zu erwerben,
Könnt ich vergehen, könnte ich verderben
Für dich — o mein Geliebter, könnt ich sterben.


Eleonore Kalkowska (1883-1937)

Mittwoch, 30. Mai 2012

Stumm vor Lust


Weil ich deinen Kuß noch fühle


Schwüle geht im Herzen um,
Weil ich deinen Kuß noch fühle.
Geh' ums Leben heut herum,
Möcht' kein Wörtlein von mir geben,
Nur das Herz möcht' mir entschweben,
Lippen blieben gerne stumm.
Tragen von der Liebesstund
Noch die süße Blüte und
Alle Glieder sagen warm:
Arm macht niemand je mich wieder.

Max Dauthendy (1867 - 1918)


Sonntag, 27. Mai 2012

Noch einmal

 
Immer wieder probiere ich
Immer wieder vergess ich mich
Immer wieder vertraue ich
Immer wieder verlieb ich mich
Und es tut immer wieder gut
Und es tut immer wieder weh
Und es ist irgendwie verrückt
Und es ist irgendwie okay.
 
Nena

Mittwoch, 23. Mai 2012

Die Liebende

 

Die Liebende

DAS ist mein Fenster.
Eben bin ich so sanft erwacht.
Ich dachte, ich würde schweben.
Bis wohin reicht mein Leben,
und wo beginnt die Nacht?


Ich könnte meinen,
alles wäre noch Ich ringsum;
durchsichtig wie eines Kristalles
Tiefe, verdunkelt, stumm.
Ich könnte auch noch die Sterne
fassen in mir; so groß
scheint mir mein Herz; so gerne
ließ es ihn wieder los

den ich vielleicht zu lieben,
vielleicht zu halten begann.


Fremd, wie nie beschrieben
sieht mich mein Schicksal an.

Was bin ich unter diese
Unendlichkeit gelegt,
duftend wie eine Wiese,
hin und her bewegt,

rufend zugleich und bange,
daß einer den Ruf vernimmt,
und zum Untergange
in einem Andern bestimmt.


Rainer Maria Rilke

Sonntag, 20. Mai 2012

Komm, wir machen alles neu



Ich habe ein ganz besonderes Geschenk bekommen.
Und aus diesem Geschenk werde ich heute ein Gedicht posten.
Ich werde es etwas umschreiben (statt "Mann" "Frau"), weil Pablo Neruda es eigentlich für seine Geliebte/Frau geschrieben hat, aber für mich sind diese Worte so bedeutend und wahr, dass ich sie mir ausleihen möchte.

Immer

Was vor mir war,
weckt keine Eifersucht.
Komm mit einer Frau
auf dem Rücken,
komm mit hundert Frauen in deiner Mähne,
komm mit tausend Frauen zwischen
deiner Brust und deinen Füßen,
komm wie ein Fluß
voller Ertrunkener,
der den rasenden Ozean findet,
den ewigen Gischt, die Zeit!

Bring sie alle her,
wo ich dich erwarte:
immer werden wir einzig sein,
immer nur du und ich
allein auf der Erde,
um das Leben zu beginnen!

Pablo Neruda

Freitag, 18. Mai 2012

Du!

Du!
Du bist ja selber Poesie!
So sieghaft schön, so strahlend heiter!
Holderes sah mein Auge nie,
Und was ich denke, spät und früh -
An dich, an dich - und sonst nichts weiter.

An dich - an dich! und sonst nichts mehr!
Ach! auch der beste der Entschlüsse,
Wo ist er - blickst du zu mir her?!
Gleich Schnee schmilzt er im Flammenmeer,
Beim ersten deiner süßen Küsse!



Theresa Gröhe (1853-1929)

Samstag, 12. Mai 2012

Komm zu mir...


Komm zu mir in der Nacht
Auf Siebensternenschuhen
Und Liebe eingehüllt
Spät in mein Zelt.
Es steigen Monde
Aus verstaubten Himmelstruhen.
Wir wollen
Wie zwei seltene Tiere liebesruhen
Im hohen Rohre
Hinter dieser Welt.

Else Lasker-Schüler

Donnerstag, 3. Mai 2012

Endlich wieder Poesie


Im Herzen wühlt und lodert
Die wüsteste, tollste Begier
Und reißt und stößt und peitscht mich,
Madonna Lucia, zu Dir.
Die Glieder schauern und beben,
Das Auge Flammen sprüht,
Wie kochende Lavaströme
Das Blut meine Adern durchglüht.
Ich flehe Dich an, o gebrauche
Die göttlich dämonische Macht,
Die meine zerfaserten Nerven
Zum rasendsten Taumel entfacht.
Und wenn an Deinem Busen
Zum Wahnwitz schwillt die Lust,
Dann, üppigste, geilste der Schlangen,
Erwürg' mich an Deiner Brust.

Felix Dörmann  (1870 - 1928)

Montag, 23. April 2012

Unter südlichem Himmel

Ein weltferner Winkel – verschwiegen und stumm,
rings Abendschweigen um uns herum.
Im Westen verglimmendes Sonnenlicht,
an meinem Busen dein Angesicht.
Ganz still, ganz traut,
nichts in uns laut,
als die tiefe, große Glückseligkeit
unter Hellas' Himmel – so weltenweit!

Ganz plötzlich da greifst du mit deiner Hand
in mein offenes Haar – und schaust wie gebannt
in die Augen mir – und küßt meinen Mund
und fragst mich: "Denkst du noch jener Stund,
wo wir allein
am Waldesrain?
Wo ich lechzend zu deinen Füßen warb,
bis im Kuß erstickt deine Weigrung erstarb?"

Da wühlt aufstöhnend und keuchend vor Lust
mein roter Mund sich in deine Brust,
da schlägt die Zähne in deinen Leib
sinnlos vor Liebe dein bebendes Weib. - -

Rings nächtliches Schweigen um uns herum.
Der Tag ist verblutet – das Leben ward stumm.


Else Galen-Gube (1869 - 1922)


Montag, 16. April 2012

Küss mich!


Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund,
ich schrie mir schon die Lungen wund
nach deinem weißen Leib, du Weib.
Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht,
da blüht ein schöner Zeitvertreib
mit deinem Leib die lange Nacht.
Das will ich sein im tiefen Tal
dein Nachtgebet und auch dein Sterngemahl.


Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar,
da schlief ich manches Sommerjahr
bei dir und schlief doch nie zuviel.
Ich habe jetzt ein rotes Tier im Blut,
das macht mir wieder frohen Mut.
Komm her, ich weiß ein schönes Spiel
im dunklen Tal, im Muschelgrund...
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!


Franois Villon (1431 - 1463)

Montag, 2. April 2012

So nah

Weil mir dein voller Kelch die heißen Lippen kühlte,
Weil meine bleiche Stirn in deiner Hand geruht,
Weil ich den süßen Hauch von deiner Seele fühlte,
Der wie ein Weihrauch ist in dunkler Fluth.

Weil mir's gegeben ward, von dir die süßen Laute
Zu hören, drin das Herz sich aufschließt bis zum Grund,
Weil deine Thräne sanft auf meine Wimper thaute,
Weil ich mein Lächeln sah erblühn auf deinem Mund...


Victor Hugo


Freitag, 30. März 2012

Wir im Welteninnen


Pflanze auf meine Lenden
Deiner Liebesküsse Raserei:
Sieh: mein Schrei
Brüllt wie eine Fackel auf zu Weltenbränden.
Lass die Sterne bleich ins Nichts verrinnen,
Lass die Erde sich in Asche modern,
Wir im Welteninnen
Werden wie die Hölle ewig lodern.

Klabund (1890-1928)

Mittwoch, 28. März 2012

Indomita e selvaggia

Liebt' ich dich einst mit sanfter Zärtlichkeit,
Vergöttre ich dich jetzt mit wildem Herzen!
Und du, du meine Qual und meine Lust,
Du, dessen Blick, dem leidenschaftlich trüben,
Verliehn ist, jede Zaubermacht zu üben,
Du, den in Allem, was da glänzt, zu finden,
Dein Schicksal ist, du einzig hast gewußt,
Dies nie gezähmte Herz zu überwinden!


Vittoria Aganoor-Pompili
(1855-1910)

Sonntag, 25. März 2012

Liebesantrag


Laß uns mit dem Feuer spielen,
Mit dem tollen Liebesfeuer;
Laß uns in den Tiefen wühlen,
Drin die grausen Ungeheuer.

Menschenherzens wilde Bestien,
Schlangen, Schakal und Hyänen,
Die den Leichnam noch beläst'gen
Mit den gier'gen Schneidezähnen.

Laß uns das Getier versammeln,
Laß es stacheln uns und hetzen,
Und die Tore fest verrammeln
Und uns königlich ergötzen.

Frank Wedekind (1864 - 1918)

Mittwoch, 21. März 2012

Flamme


Was sträubst du dich der süßen Glut,
die züngelnd schon dein Haupt versengt,
die liebeheißen Atems dich
mit Flammenarmen eng umdrängt?!

Die Glut bin ich - und du bist mein!
wirf ab, wirf ab das Alltagskleid:
gib deine ganze Seele hin
in ihrer nackten Herrlichkeit!

Umschlingen will ich glühend dich
und pressen dich ans heiße Herz,
die Kette schmelzen, die dich band,
in meinem Kuß wie tropfend Erz!

Und flüstern will ich dir ins Ohr
ein Wörtlein, zaub'risch wunderfein,
daß du nichts andres denken sollst,
als mich allein, als mich allein . . .

Clara Müller-Jahnke (1860 - 1905)

Dienstag, 13. März 2012

Wie wundersam...!

Wie wundersam ist dies Verlorengeh'n
In Liebestiefen ohne Ziel und Schranken:
Die ganze Welt mit lichten Augen seh'n,
Im Sonnenschimmer klarer Freude geh'n,
Eins sein in einem tiefen Glücksgedanken!

Und wie im Leben auch die Stürme weh'n,
Da ist kein Zagen und da ist kein Schwanken:
Fest steht die Liebe, wie die Sterne steh'n -
Wie wundersam ist dies Verlorengeh'n
In Liebestiefen ohne Ziel und Schranken!

Karl Stieler (1842 - 1885)

Freitag, 9. März 2012

Es brodelt weiter...


Ich will den Sturm!

Ich will den Sturm, der mit den Riesenfäusten
Vom Boden der Alltäglichkeit mich reißt
Und mich hinauf in jene Höhen schleudert,
Wo erst das Leben wahrhaft Leben heißt!

Ich will den Sturm, der mit gewaltgem Athem
Zur lichten Gluth die stillen Funken schürt
Und, alle Kräfte dieser Brust entfesselnd,
Zum Siege oder zur Vernichtung führt!

Laß mich nicht sterben, Gott, eh meine Seele
Ein einzig Mal in Siegeslust gebebt -
Ich kann nicht ruhig in der Erde schlafen,
Eh ich nicht einmal, einmal ganz gelebt!

Anna Ritter (1865-1921)