Montag, 23. April 2012

Unter südlichem Himmel

Ein weltferner Winkel – verschwiegen und stumm,
rings Abendschweigen um uns herum.
Im Westen verglimmendes Sonnenlicht,
an meinem Busen dein Angesicht.
Ganz still, ganz traut,
nichts in uns laut,
als die tiefe, große Glückseligkeit
unter Hellas' Himmel – so weltenweit!

Ganz plötzlich da greifst du mit deiner Hand
in mein offenes Haar – und schaust wie gebannt
in die Augen mir – und küßt meinen Mund
und fragst mich: "Denkst du noch jener Stund,
wo wir allein
am Waldesrain?
Wo ich lechzend zu deinen Füßen warb,
bis im Kuß erstickt deine Weigrung erstarb?"

Da wühlt aufstöhnend und keuchend vor Lust
mein roter Mund sich in deine Brust,
da schlägt die Zähne in deinen Leib
sinnlos vor Liebe dein bebendes Weib. - -

Rings nächtliches Schweigen um uns herum.
Der Tag ist verblutet – das Leben ward stumm.


Else Galen-Gube (1869 - 1922)


3 Kommentare:

  1. Wie wunderbar poetisch unsere Vorfahren im Vorletzten Jahrhundert Lust und Leidenschaft beschreiben konnten ...
    Deine Posts sind mir immer wieder eine Quelle eigener Inspirationen. Ich danke Dir.

    AntwortenLöschen
  2. Eine wundervolle Art die Lust und das Intime der beiden zu besingen.
    Ich wünsche Dir das Erleben dieser Lust.

    AntwortenLöschen
  3. Das zu erleben ist das Ziel und dann wird man im Reich der Götter eintreten.

    Schöne Grüße

    AntwortenLöschen