Donnerstag, 26. Februar 2015

Poesie am Morgen


Heilig sind mir die Sekunden und kurzweilig,
Seit ich in dir meine Lust gefunden, meine wache,
Seitdem sind die Stunden nicht mehr eine abgetane Sache,
Unumwunden möchte ich sie dicken Bänden einverleiben,
Mit zwei Händen die Minuten singend niederschreiben,
Möcht' mich noch im Lied an deinem Anblick weiden,
Möchte dich an jedem Glied, vor den Augen beiden,
Wie in einem Liederbache ganz entkleiden,
Möchte, daß dich alle Worte meiner Sprache nennen,
Gleich wie deiner Kleider Faltenrausche im Gemache;
Lieder, mehr als Ziegel auf dem Dache,
Lieder, wie die Atemzüge, die von mir zu dir hinbrennen, -
Nur in Wollust und in Liebe lernen sich Verliebte kennen.

Max Dauthendey (1867 - 1918)

5 Kommentare:

  1. Stimmt einfach alles!
    Aber gibt es Deinen Blog noch nach dem 1. März 2015?
    Gespannt, wie immer...
    LG - Wolf

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  2. Das liest sich "einfach" saugut und tut sooo guuuut!

    Liebe Grüße Faro

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  3. Großartige Zeilen. Allein schon 'Wollust' ist meinem Empfinden nach ein ganz starkes Wort, eines das wunderbar zu dem Bild passt (oder umgekehrt).

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