Dienstag, 5. Februar 2013

7. Kapitel


Irgendwann würden ihr Schwimmhäute wachsen. In den letzten Wochen verbrachte sie kaum vorstellbare Zeit unter der Dusche oder in der Badewanne. Manchmal ließ sie das Wasser einfach nur an ihrem Körper entlang laufen, während sie sich gegen die kalten Kacheln lehnte oder sie rutschte langsam in der Wanne nach unten, bis ihr Kopf unter Wasser war und die Haare wie Schlingpflanzen um ihr Gesicht schwebten. Das war die Zeit der Wünsche und Heimlichkeiten. Bilder und Gedanken in ihrem Kopf, die keiner wissen durfte und die das Wasser für einen Moment mitnahm. Die sonst selbst hinter ihren geschlossenen Augen pulsierten. Im Wasser verwandelten sie sich und sie verwandelte sich auch. Wurde ruhiger, sanfter, trauriger...Im Wasser war sie ihrem Körper so nah, träge von der Wärme, streichelt sie sich, windet sich, fühlt sich, wie im Fieber, wirft ihre Schlangenhaut ab. Im Wasser konnte sie diese Worte aufweichen lassen: "Ich liebe dich nicht!" die sich genauso zögernd auflösten wie vor einiger Zeit die Worte: "Ich liebe dich!". 
Mit einem stummen Seufzer taucht sie auf und schmeckt das Blut an ihrer Lippe.

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