Sonntag, 28. Oktober 2012

Ich brauche heute Romantik


Liebste und Geliebte,

hier bin ich nun, und Du bist bei den Antipoden. O fluchwürdiges Leben, das unseren Lippen verwehrt, sich zu küssen, wenn auch unsere Seelen vereint sind. Was kann ich Dir in einem Briefe sagen? Ach! nichts von alledem, was ich Dir sagen möchte. Die Botschaften der Götter werden nicht durch Feder und Tinte übermittelt, auch könnte selbst Deine leibliche Anwesenheit hier Dich nicht wirklicher machen: denn ich fühle Deine Finger in meinem Haar und Deine Wange an die meine geschmiegt. Die Luft ist erfüllt von der Musik Deiner Stimme, meine Seele und mein Leib gehören mir nicht mehr, sie sind in himmlischer Ekstase Dir verschrieben. Ohne Dich fühle ich mich unvollständig.

Stets und immer Dein Oscar    


Oscar Wilde (1854 - 1900) an seine Frau Constance Wilde (1858 - 1898)

1 Kommentar:

  1. Wenn ich doch auch so schön an meine Geliebte schreiben könnte....

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