Du bist die harte, die umdornte Rute
Aus einem bitteren verfluchten
Strauch;
Wo Du auch triffst, da triffst Du tief im Blute.
Du bist was
schmerzt. Nichts auf der Welt schmerzt mehr,
Kein Schmerzendes ist ohne Dich.
Bewegst
Du Deine Hand, schon überhäufst Du schwer
Mit Schmerz der
Leidenschaft.
Du schlägst
Mit Widerhaken tausendfach verschlingend
Ins
Fleisch Dich ein, daß, ob Du dort ob hier
Verweilst, es schmerzt.
Doch dann zuletzt bist Du das gute Gleite
Ins Schlafende, das
ohne Sprache ist
Wie ohne Traum. Das sich so tief vergißt,
Daß Namen schon
es mit sich selbst entzweiten.
Von Wuchs und Trieb
sind sie zurückgewandt
Zum Schweigenden. Und Du darfst nichts erwarten
Als
Dieses nur: daß sie einmal, besehn
Von Deinem Blick, berührt von Deiner
Hand,
So wie ein plötzlich übersonnter Garten,
Aufbrechen und in jäher
Blüte stehn.
Maria Luise Weissmann
(1899-1929)

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