Donnerstag, 26. April 2012

Leidenschaft und Schmerz

Nur der Spießbürger glaubt, dass Sünde und Moralität entgegengesetzte Begriffe seien; sie sind eins;
ohne die Erkenntnis der Sünde, ohne die Hingabe an das Schädliche und Verzehrende ist alle Moralität nur läppische Tugendhaftigkeit.
Nicht Reinheit und Unwissenheit sind der im sittlichen Sinne wünschenswerte Zustand,
nicht egoistische Vorsicht und die verächtliche Kunst des guten Gewissens machen das Sittliche aus,
sondern der Kampf und die Not, die Leidenschaft und der Schmerz.

Thomas Mann, Auszug aus dem Essay "Süßer Schlaf"

3 Kommentare:

  1. Jaaaa ... ich bin kein Spießbürger - HA!

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  2. Notiz aus Wi**pedi* zu Tugendhaftigkeit: "In der abendländischen Kultur werden mit tugendhaften Frauen vor allem folgende Eigenschaften verbunden: Häuslichkeit, Sparsamkeit, Keuschheit."
    Wenn das so ist, bin ich alles, aber nicht tugendhaft ;-)!

    Das Foto ist mal wieder Spitze, wie überhaupt die meisten Fotos hier. Danke, liebe Poesie, für die Mühe, die Fotos zu finden und dann noch die passenden Texte zu suchen. Ich genieße jeden Post!

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  3. Der Spießbürger…

    …existiert nach der "Spießbürgertheorie", die den Zins als eine - "gerechte" - "Belohnung für Konsumverzicht" ansieht, anstatt richtigerweise als eine - ungerechte - Belohnung für Liquiditätsverzicht auf Kosten der Mehrarbeit anderer.

    Für den Sparer erbringt die Volkswirtschaft bereits eine Leistung, wenn sie ihm den sicheren Erhalt seiner Ersparnis auf unbegrenzte Zeit ermöglicht, um sie zu einem späteren Zeitpunkt entweder verkonsumieren oder selbst in eigenes Sachkapital investieren zu können. Auf eine Liquiditätsverzichtsprämie (in Deutschland über 330 Mrd. Euro pro Jahr), die einen strukturellen Sachkapitalmangel bestehen lässt, damit zu einer Mindestverzinsung allen Sachkapitals (Verzinsung des unverschuldeten Sachkapitals: 120 Mrd. Euro pro Jahr), Überrationalisierung, "Freisetzung" von Arbeitskräften, Vermassung und Eintönigkeit führt, besteht kein Anrecht.

    Tatsächlich gibt es einen Zinsanteil, der als "Belohnung für Konsumverzicht" anzusehen ist, wenn nach einem Krieg (umfassende Sachkapitalzerstörung) die Kreditnachfrage zur Finanzierung neuer Sachkapitalien deutlich größer ist als das Kreditangebot. Dann erhöht sich der Kapitalmarktzins um eine "Belohnung für Konsumverzicht", weil in dieser Situation die Schaffung neuen Sachkapitals für die Volkswirtschaft wichtiger ist als der vorgezogene Konsum. Wird der Sachkapitalmangel kleiner, geht die "Belohnung für Konsumverzicht" gegen Null, nicht jedoch die Liquiditätsverzichtsprämie (Urzins), die allein aus der Wertaufbewahrungs(un)funktion des herkömmlichen Geldes resultiert und unweigerlich zur nächsten Wirtschaftskrise (gegenwärtiger Ist-Zustand) und dann in den Staatsbankrott führt.

    Reichtum, Zivilisation, technologischer und kultureller Fortschritt entstehen aus einer funktionierenden Arbeitsteilung und nicht aus der "Fähigkeit", auf Kosten der Mehrarbeit anderer zu existieren. Dabei handelt es sich nicht um eine Frage der "Moral", sondern des Bewusstseins. Ein Milliardär, der heute über ein Bewusstsein verfügte, würde die Hälfte seines Vermögens in die Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) investieren und den "Rest" in die erst dann – aufgrund des Wegfalls der Rentabilitätshürde des Urzinses – wirtschaftlichen Technologien (Solarzellen, Brennstoffzellen, Elektroantriebe, Magnetschwebebahnen, etc.), die bereits zur Verfügung stehen. Zwar würde seine Rendite, wenn er selbst keine neuen Technologien beisteuert, mittel- bis langfristig gegen Null gehen, aber die kurzfristige Rendite, die er erzielen würde, wäre enorm – und die Lebensqualität, die er sich schaffen würde, wäre unbezahlbar!

    Für ein allgemeines Bewusstsein bedarf es der "Auferstehung der Toten". Als geistig Tote sind alle Existenzen zu bezeichnen, die vor lauter Vorurteilen nicht mehr denken können. Die Basis aller Vorurteile war (und ist noch) die Religion:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

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